Das St. Joseph Institute in Enugu arbeitet mit Dorfschulen, Gesundheitszentren und Familien zusammen. Ziel des Projekts ist es, Menschen mit Behinderungen konkrete Hilfe zu bieten – dort, wo staatliche Unterstützung kaum vorhanden ist.
Im Rahmen dieses Projekts wurden 10 Gehhilfen (Rollstühle und Krücken) gemeinsam mit MIVA Schweiz finanziert. Ein Teil davon wurde vor Ort gefertigt. Zusätzlich wurden Rampen gebaut, damit die Hilfsmittel im Alltag genutzt werden können.
Nnenna, 20 Jahre: Zum ersten Mal konnte sie aufrecht sitzen
Nnenna ist heute 20 Jahre alt.
Ihre schwere Behinderung wurde im Alter von einem Jahr bemerkt. Seitdem konnte sie weder gehen noch selbstständig essen oder trinken. Sie bewegte sich mühsam krabbelnd am Boden fort, besuchte nie eine Schule und war vollständig auf Hilfe angewiesen.
Nach dem Tod ihrer Mutter blieb ihr Vater allein zurück.
Trotz eigener Erblindung sorgte er täglich für seine Tochter: Er kochte für sie, stellte Wasser bereit und organisierte ihren Alltag, ohne Unterstützung von außen.
Im August 2025 erhielt Nnenna zum ersten Mal einen Rollstuhl.
Eine Rampe wurde gebaut, damit sie das dunkle Haus verlassen kann.
Ihr Vater sagte:
„Wir haben vorher nie Hilfe von außen bekommen. Das ist das erste Mal.“
Frau Mabel, 77 Jahre: Jetzt muss sie nicht mehr getragen werden
Frau Mabel ist 77 Jahre alt und vollständig auf die Pflege ihres einzigen überlebenden Kindes angewiesen. Aufgrund ihres Gesundheitszustands konnte sie ihr Zuhause kaum verlassen.
Ihr Alltag bestand aus Improvisation: Sie bewegte sich rutschend zu einer Holzbank, auf der sie badete und sich ankleidete. Tagsüber saß sie auf der Veranda, abends mühsam zurück ins Schlafzimmer.
Ein Krankenhausbesuch war fast unmöglich: oft mussten fünf bis sieben junge Männer helfen, sie in ein Fahrzeug zu heben.
Mit dem neuen Rollstuhl und einer gebauten Rampe hat sich ihr Alltag verändert.
Zum ersten Mal ist Bewegung möglich, ohne getragen zu werden.
Sie sagte dankbar, als man ihr die Hilfe erklärte:
„Jetzt kann ich hinaus. Das bedeutet mir sehr viel.“
Verkehrsunfälle, Arbeitsunfälle
Nigeria zählt zu den Ländern mit den höchsten Verkehrstodeszahlen weltweit.
Laut WHO starben bereits 2018 rund 40.000 Menschen pro Jahr im Straßenverkehr. Hinzu kommen unzählige Arbeitsunfälle.
Schlechte Straßen, unsichere Fahrzeuge und fehlende Sicherheitsstandards führen dazu, dass viele Verletzte dauerhaft beeinträchtigt bleiben – oft ohne Zugang zu Rehabilitation oder Hilfsmitteln.
John, 59 Jahre, aus Isigwe (Ugbawka), ist einer von ihnen.
Bei einem Arbeitsbesuch stürzte er in einen ungesicherten Brunnen. Die Folgen: Beinbruch und Wirbelsäulenverletzung. Heute ist er bettlägerig und vollständig auf Hilfe angewiesen.
Ohne Gehhilfen bleibt vielen Betroffenen nur Immobilität – und soziale Isolation.
Kleine Hilfsmittel, große Wirkung
Dieses Projekt zeigt, was gezielte Unterstützung bewirken kann:
Ein Rollstuhl, eine Rampe, eine Gehhilfe verändern den Alltag grundlegend.
Sie bedeuten:
- mehr Selbstständigkeit
- weniger Abhängigkeit
- mehr Würde
Mobilität ist hier kein Komfort.
Sie ist der erste Schritt zurück ins Leben.