Wie hängen unsere Smartphones mit einem austrocknenden Fluss in Bolivien zusammen? Diese Frage stand im Zentrum eines eindrucksvollen Begegnungstags im ChristophorusHaus (MIVA).
Alicia Cuiza (CEPA – Centro de Ecología y Pueblos Andinos) und Erika Rojas (CIPCA – Centro de Investigación y Promoción del Campesinado) gaben Einblicke in ihre Arbeit mit indigenen Gemeinschaften im bolivianischen Altiplano. Sie arbeiten seit vielen Jahren mit Aymara-, Uru- und Kallawaya-Gemeinschaften und setzen sich für nachhaltige Landwirtschaft, Umweltmanagement und die Stärkung der Rolle von Frauen ein.
Zwischen Tradition und Bedrohung
Die Lebensrealitäten der Menschen in dieser Region sind eng mit einem sensiblen Ökosystem verbunden: dem endorheischen Wassersystem rund um den Titicacasee, den Río Desaguadero und den Poopó-See. Ein System, das sich nur aus sich selbst speist – und deshalb besonders anfällig ist.
Gleichzeitig sind es genau diese Regionen, in denen Metalle wie Gold, Silber, Zink und Blei abgebaut werden – Rohstoffe, die auch in unseren Smartphones und elektronischen Geräten stecken.
Die Folgen vor Ort sind gravierend: Flüsse werden verschmutzt, trocknen aus oder versalzen. Wasser ist oft nicht mehr trinkbar, Böden verlieren ihre Fruchtbarkeit, und ganze Lebensgrundlagen gehen verloren. Der Poopó-See, einst eines der wichtigsten Gewässer Boliviens, ist 2015 vollständig ausgetrocknet.
Frauen als treibende Kraft
Besonders eindrucksvoll waren die Berichte über die Rolle von Frauen in den Gemeinden. Während viele Männer und junge Menschen gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen, übernehmen Frauen Verantwortung:
Sie organisieren sich in Kollektiven, setzen sich für den Schutz von Wasserressourcen ein und schaffen alternative Einkommensmöglichkeiten – etwa durch die Herstellung und Vermarktung von Kunsthandwerk oder durch nachhaltige Landwirtschaft.
Verantwortung beginnt auch hier
Die zentrale Botschaft des Tages: Die Probleme vor Ort sind eng mit unserem eigenen Konsum verbunden. Die Frage, wie oft wir unsere elektronischen Geräte ersetzen, bekommt plötzlich eine globale Dimension.
Gleichzeitig wurde deutlich: Die indigenen Gemeinschaften fordern nicht das Ende des Bergbaus, sondern verantwortungsvolle Lösungen – Schutz der Gewässer, sichere Entsorgung von Schadstoffen und faire Beteiligung an Entscheidungen.
Begegnung, die verbindet
Der Begegnungstag – mit Schulbesuchen und einer Abendveranstaltung im ChristophorusHaus – zeigte, wie wichtig der direkte Austausch ist. Globale Zusammenhänge werden greifbar, Perspektiven erweitern sich, und neue Fragen entstehen.
Ein Schritt hin zu einem „Guten Leben für alle“.